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The Unisex - Der
neueste coole Schweden-Import
Dass Musiker aus dem kühlen Norden im allgemeinen Garanten für
innovative und kreative Popmusik sind, ist ja nicht neu. Ob diese
besondere Gabe für eingängige Melodien an den langen Wintern
liegt? Wer weiß… Jedenfalls wehte der Nordwind wieder eine coole
neue Pop-Band aus Schweden Richtung Deutschland.
Henrik
Boman, Anders Rask, Kristofer Löfgren und die Zwillinge Jonas und
Andreas Linde aus dem verschlafenen Örtchen Enkoping in Schweden
hatten 2 Möglichkeiten: Entweder sie arbeiten in der Fabrik oder
werden Eishockeyspieler. Sie wählten Plan C, entschieden sich
glücklicherweise für Musik und spielten am 29.04. als "The Unisex"
im Berliner Mudd Club ein höchst erfolgreiches Showcase, um sich
dem deutschen Publikum vorzustellen.
Dabei sind The Unisex in Mitteleuropa eigentlich längst keine
Unbekannten mehr. Bereits im letzten Jahr feierten sie
sensationelle Erfolge in Griechenland und lieferten mit ihrer
Single "Pigs And Their Farms" einen echten Radiohit. Es folgten
ausverkaufte Konzerte und ihr Album "White Days" chartete auf
Anhieb in den Top 40.
In Großbritanien liefen ihre Songs in der erfolgreichen TV-Serie "Teachers",
sie spielten als Support auf der UK Tour von Snow Patrol und der
NME feierte sie "als die beeindruckendste und aufstrebendste Band
aus Schweden seit den Hives".
Nun
also wollen sie Deutschland erobern und die Chancen stehen gut,
dass sie schnell zur neuen Kult-Band avancieren. Schon allein die
Vorbereitung zu ihrem Live-Auftritt hat etwas Okkultistisches. Da
werden qualmende Räucherkerzen in Äpfel gepiekst und am Bühnenrand
drappiert und man fragt sich, kommen jetzt Jungs in Jesus Latschen
und 70er Jahre Frottee-Stirnbändern auf die Bühne? Brauchen sie
das für ihren persönlichen Spirit oder wollen sie die bösen
Popgeister vertreiben?! Nichts dergleichen! Es erscheinen 5 völlig
natürliche, ungekünstelte und sympathisch nervöse
Musiker
und schleudern in ihrer knapp einstündigen Show den Zuschauern
ihre fetzigen Popsongs entgegen, so dass diese gar nicht anders
können als zu tanzen und mitzusingen, obwohl sie die Songs gar
nicht kennen. Das macht aber auch nichts, denn die Musik geht in
die Beine und in den Bauch, macht sofort gute Laune, schwappt wie
eine Welle bis in die hintersten Reihen und zieht durch ihre
erfrischende Unbekümmertheit das Publikum immer näher an die
Bühne.
Der gewogene Popmusik-Hörer hat allerdings eine ganz schlechte
Angewohnheit. Er neigt dazu, bei jedem neuen Act, den er hört zu
sagen: "Das klingt doch wie…" So auch bei The Unisex. Aber dieser
Gedanke kommt nur kurz auf, denn schnell merkt man, dass sie
eigentlich gar nicht vergleichbar sind. Sie haben ihren eigenen
Beat, ihren eigenen Stil, einen eigenen Charme und vor allem die
charismatische Stimme des Sängers Jonas ist eigentlich nur
vergleichbar mit… The Unisex themselves.
Sie
machen Musik für den 2. Hinhörer. Keine Hymnen, keine Ohrwürmer in
dem Sinne, sondern tanzbare begeisternde Melodien und man hat nach
dem Konzert das fast unbezwingbare Bedürfnis eine CD zu erwerben,
um zu Hause alles noch mal in Ruhe zu verinnerlichen.
Und ehe man es sich versieht, sitzt man im Lieblingssessel und
lauscht dem Album "White Days". Die Songs kommen langsam aber
gewaltig. Sie schleichen sich ins Ohr und man kann gar nicht
anders als die CD wieder und wieder hören, bis sich die Melodien
und Texte in die Gehörgänge setzen und dort bleiben. Gitarren
dominieren, Drums und Bass wummern bei allen Songs, vor allem
jedoch bei "Castle Of Air" und "Go Again". Man erwischt sich
dabei, den Begriff "Britpop" zu benutzen, obwohl die doch gar
nicht von der Insel kommen… Fast schon schlagerhaft wird es dann
bei "Break The Silence" und witzige Einlagen mit Keys und Harp
gibt’s bei "Still Out There". Spätestens da steckt dann auch mein
Kollege vom Nachbarbüro seinen Kopf durch die Tür und meint: "Hey
wer ist denn das, das klingt doch wie…" Okay, sag nix…
Und doch stellt man wieder mal fest - live ist live… Das Album ist
abwechslungsreich und ausgeglichen, gut gekoppelt und sehr gut
produziert, doch obwohl man froh ist, dass man die Musik auch im
heimischen Wohnzimmer hören kann, ist der Sound und die Dynamik
der Songs live um Längen besser. Daher erfreut es das
Live-Musik-Fan-Herz ungemein, dass der Song "La Familia" als
Live-Version auf der CD zu finden ist und es ist meiner Meinung
nach auch eins der Highlights auf diesem Longplayer.
Es fehlt ein bisschen die "große Ballade" - die zu Tränen
rührende, fast schon ins Kitsch gehende herzerweichende Schnulze -
aber vielleicht stehen The Unisex nicht auf so was. Schade
eigentlich - denn obwohl ich sonst eigentlich eher rockigere Töne
mag, hätte mich genau DAS bei einem so außergewöhnlichen Sänger
wie Jonas Linde interessiert.
Ein wirklich genialer Abschluss befindet sich dann als Nr. 12 auf
dem Album. Da ist sie plötzlich doch, die Hymne, der Ohrwurm, der
5:25 Minuten dauernde absolut gelungene Remix der Single "Pigs &
Their Farms". Schon allein dieser Mix ist den Kauf des Albums
wert!
Mein Tipp also: The Unisex live erleben und natürlich CD kaufen:
"White Days" am 26.05. in den Läden!
weitere Infos .....
hier
Sabine Lenz |